Archiv für Juli 2013

Das deutsche Bildungssystem reproduziert die Klassenstruktur

Letzte Woche stellte das Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen mit dem Deutschen Studentenwerk (DSW) die 20. Erhebung zur sozialen Lage der Studierenden in Deutschland vor. Für den Studierendenverband DIE LINKE.SDS offenbart der Sozialbericht ein unverändert skandalöses Bild über die Lebensumstände von Studierenden in Deutschland.
Bereits seit zwei Jahren steht die angekündigte Erhöhung der BAFöG-Sätze aus. Damit verschärft sich die prekäre Lage vieler Studierenden zusehends. Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten können bei den meisten Studierenden schon lange nicht mehr durch das BAFöG gedeckt werden. Durch die restriktive Bewilligungspraxis bleibt vielen Studierenden der Zugang zum BAFöG von Anfang an verwehrt. Elisabeth Kula aus dem Bundesvorstand von DIE LINKE.SDS fordert deshalb ein „elternunabhängiges bedarfsdeckendes Studienhonorar, welches allen Studierenden im gleichen Maße eine finanzielle Absicherung für ihr Studium schafft.“
Damit hätte sich auch der finanzielle Zwang zur Erwerbsarbeit neben dem Studium erübrigt. Der Anteil Studierender, die einer solchen nachgehen müssen, bleibt bei 61 Prozent im Erststudium konstant hoch. Kerstin Wolter, Geschäftsführerin von DIE LINKE.SDS hält dies für nicht hinnehmbar: „Gerade das verschulte und eng gestrickte Bachelor-Master-System lässt kaum Spielraum für außeruniversitäre Aktivitäten. Wenn das Studium aber zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit beitragen soll, dann muss es auch Zeit für soziales und politisches Engagement lassen.“
Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem bleibt weiter sehr selektiv. Der Anteil von Studierenden, die nicht aus AkademikerInnenfamilien stammen, ist sogar gesunken. Von diesen beginnen aktuell nur 23 von 100 ein Hochschulstudium. Der Anteil aus AkademikerInnenhaushalten liegt bei 77 Prozent. Kula dazu: „Diese Fakten stehen der Mär von angeblicher „Chancengleichheit“ diametral gegenüber. Das deutsche Bildungssystem reproduziert die Klassenstruktur unserer Gesellschaft, statt sie aufzubrechen.“
Die Sozialerhebung zeigt deutlich, dass Studierende immer höhere Summen für die Miete ausgeben müssen. In den teuersten Städten Köln, München und Hamburg sind es mittlerweile durchschnittlich 357 Euro für Miete und Nebenkosten. Wolter dazu: „Die steigenden Lebenshaltungskosten, allen voran die steigenden Mieten, sind für viele Studierende nicht länger tragbar. Der Ausbau von günstigen, innenstadtnahen und gut ausgestatteten Studierendenwohnheimen muss deshalb unbedingt forciert werden, damit der Druck auf den Geldbeutel reduziert wird.“ Ansonsten würde der Anteil derer, die sich durch Studienkredite im Studium verschulden müssen, weiter steigen. Dieser liegt momentan bei 6%.